Omuraisu ist eines dieser Gerichte, bei denen fast alle Japanerinnen und Japaner sofort lächeln. Ein locker gebratenes Omelett, darunter würziger Ketchup-Reis: Es ist simpel, vertraut und unglaublich tröstlich. In Japan gehört Omuraisu zu den Klassikern der sogenannten Yōshoku Küche, also Gerichten mit westlichem Ursprung, die sich über die Jahre ganz selbstverständlich in den japanischen Alltag integriert haben.
Auch wenn Omuraisu im Ausland oft als Omurice bekannt ist, heißt das Gericht in Japan オムライス (Omuraisu) – eine Abkürzung von Omelette Rice. Serviert wird es auf dem Teller, gegessen mit dem Löffel, fast immer mit einer Krone aus Ketchup obendrauf.

Meine persönliche Omuraisu Geschichte
Omuraisu war für mich schon lange mehr als nur ein Gericht. Ich hatte es unzählige Male gekocht, darüber gelesen, es in Manga wiederentdeckt und immer wieder versucht, dieses perfekte Zusammenspiel aus lockerem Ketchup-Reis und zartem Omelett hinzubekommen. Umso surrealer fühlte es sich an, als ich eines Tages eine Einladung von TV Tokyo bekam – mit der Frage, ob ich für die Sendung „Who Wants to Come to Japan – 世界ニッポン行きたい人応援団“ nach Japan reisen möchte.
In der Sendung geht es um Menschen aus aller Welt, die eine besondere Leidenschaft für Japan haben. Und diesmal ging es um Omuraisu.
Schon in der ersten Sendung wurde mir klar, warum dieses Gericht in Japan so emotional besetzt ist. Omuraisu gehört zur Yōshoku-Küche, also zu den westlich inspirierten Gerichten, die in Japan ihren ganz eigenen Platz gefunden haben. In Familienrestaurants, kleinen Lokalen und Cafés steht Omuraisu fast immer auf der Karte – oft als Teil eines Okosama Lunch, eines Kinder-Menüs. Fast jede Japanerin und jeder Japaner verbindet mit Omuraisu eine Erinnerung aus der Kindheit. Ja, wirklich fast alle lieben es.

Ich durfte zuerst ein traditionsreiches Yōshoku-Restaurant namens Tsutsui im Tokioter Stadtteil Kayabachō besuchen. Dort ist Omuraisu das berühmteste Gericht auf der Karte. In der Küche zeigte mir der Koch, worauf es bei einem wirklich guten Omelett ankommt: Hitze, Timing, Ruhe – und vor allem Gefühl. Es ging nicht um Geschwindigkeit, sondern um Aufmerksamkeit. Wie flüssig darf das Ei noch sein? Wann ist der richtige Moment, die Pfanne zu schwenken? Kleine Details, die am Ende den Unterschied machen.

Später führte mich die Reise nach Asakusa, wo ich zum ersten Mal hautnah das berühmte „überraschende Omuraisu“ erlebte. Der Reis liegt auf dem Teller, darüber ein halb gegartes Omelett. Dann kommt der Moment: Ein sauberer Schnitt mit dem Messer – und plötzlich öffnet sich das Omelett wie von selbst und fließt sanft über den Reis. Ein kurzer Augenblick des Staunens. Genau diese Szene kennt man auch aus dem Film „Tampopo“ von Jūzō Itami, der Omuraisu und Ramen unsterblich gemacht hat.
Für mich war diese Reise etwas ganz Besonderes. Nicht nur, weil ich Techniken gelernt habe, sondern weil ich verstanden habe, warum Omuraisu in Japan so tief verankert ist. Es ist kein Trendgericht. Es ist Erinnerung, Trost, Kindheit und Zuhause auf einem Teller. Und genau dieses Gefühl wollte ich mit diesem Rezept weitergeben.

Warum ist Omuraisu in Japan so tief verankert?
Nach dieser Reise habe ich Omuraisu mit ganz anderen Augen gesehen. Was für viele zunächst wie ein simples Alltagsgericht wirkt, ist in Japan emotional aufgeladen. Omuraisu gehört zu den Gerichten, die man schon als Kind kennt, aus dem Familienrestaurant, aus dem Okosama Lunch, manchmal auch von zu Hause.
Die Kombination aus Reis, Ei und einer mild-süßlichen Würze ist vertraut, unkompliziert und genau deshalb so beliebt. Omuraisu überfordert nicht, sondern gibt ein Gefühl von Sicherheit. Es ist Essen, das man versteht, noch bevor man es bewusst analysiert.
Gerade in der japanischen Alltagsküche hat Omuraisu deshalb einen festen Platz – nicht als etwas Besonderes, sondern als etwas Verlässliches.
Yōshoku: westlich inspiriert, japanisch geworden
Omuraisu gehört zur sogenannten Yōshoku Küche. Das sind Gerichte, deren Ursprung zwar in Europa liegt, die sich aber in Japan über Jahrzehnte weiterentwickelt und ihren ganz eigenen Charakter bekommen haben. Neben Omuraisu zählen auch japanisches Curry oder Hambāgu dazu.
Diese Gerichte sind kein Fremdkörper in der japanischen Küche, sondern längst Teil davon. Sie werden anders gewürzt, anders serviert und anders gedacht als ihre europäischen Vorbilder. Omuraisu ist dafür ein besonders schönes Beispiel: westliches Omelett, kombiniert mit Reis, Ketchup und japanischem Feingefühl.

Omurice: Ein Gericht mit vielen Varianten
So unterschiedlich Omuraisu aussehen kann, der Aufbau bleibt immer gleich:
Reis, Omelett, Sauce.
Das Omelett kann dünn und komplett um den Reis gewickelt sein, so, wie in diesem Rezept. Oder weich und fast cremig, sodass es sich beim Aufschneiden über den Reis legt. Diese moderne Variante wird Fuwatoro genannt und ist vor allem in spezialisierten Restaurants beliebt.
Auch beim Reis gibt es Spielraum. Klassisch ist Ketchup-Reis mit Hähnchen und etwas Gemüse. Aber genauso verbreitet sind Varianten mit Rind, Schwein oder rein vegetarisch. Manchmal wird der Reis sogar durch Nudeln ersetzt, dann spricht man von Omusoba.
Und auch die Sauce muss nicht immer Ketchup sein. Demi-Glace, Currysauce oder Käsevarianten zeigen, wie wandelbar Omuraisu sein kann.
Ist Omuraisu ein Alltagsgericht, auch für zuhause?
Omuraisu ist ein echtes Alltagsgericht. Reis vom Vortag, ein paar Eier und etwas Ketchup – mehr braucht es nicht. Alles, was noch im Kühlschrank liegt, lässt sich unkompliziert integrieren. Genau das macht Omuraisu so sympathisch und zugänglich.
Omuraisu selber machen: So geht’s
Omuraisu zu Hause zu kochen wirkt auf den ersten Blick vielleicht etwas knifflig, vor allem wegen des Omeletts. In Wirklichkeit ist das Gericht aber erstaunlich unkompliziert. Entscheidend ist nicht Perfektion, sondern ein gutes Timing und eine ruhige Herangehensweise. Wenn der Reis vorbereitet ist, fügt sich alles Schritt für Schritt zusammen.
Das Grundprinzip ist einfach: Zuerst wird ein würziger Ketchup-Reis gebraten, danach ein dünnes Omelett zubereitet und beides am Ende zusammengebracht. Mehr braucht es nicht.

Die wichtigsten Zutaten für Omuraisu
- Reis: Am besten eignet sich japanischer Rund- oder Mittelkornreis, der bereits gekocht und leicht abgekühlt ist. Reis vom Vortag ist ideal, weil er trockener ist und sich besser braten lässt (zum Rezept für japanischen Reis).
- Ei: Das Omelett lebt von der richtigen Konsistenz. Mehrere gut verquirlte Eier sorgen für ein gleichmäßiges, dünnes Omelett, das sich sauber um den Reis legen lässt.
- Ketchup: Ketchup ist kein Ersatz, sondern das Herzstück von Omuraisu. Er sorgt für die typische Farbe, die milde Süße und den vertrauten Geschmack, den viele aus ihrer Kindheit kennen.
- Füllung: Klassisch kommen Hähnchen, Zwiebeln und etwas Gemüse in den Reis. Du kannst das aber ganz flexibel halten, Omuraisu eignet sich perfekt, um Reste zu verwerten.
- Butter: Butter bringt Tiefe und Rundheit in den Geschmack, sowohl im Reis als auch beim Omelett. Sie ist typisch für Yōshoku Gerichte.
So funktioniert’s:
Zuerst bereitest du den Ketchup-Reis zu. Das Hähnchen wird angebraten, danach kommen Gemüse und Reis dazu. Wichtig ist, dass der Reis locker bleibt und gleichmäßig mit Ketchup und Sojasauce überzogen wird. Der Reis sollte würzig, aber nicht matschig sein.
Anschließend geht es an das Omelett. Die Pfanne wird nicht zu heiß erhitzt, damit das Ei gleichmäßig stockt. Durch leichtes Schwenken entsteht ein dünnes Omelett, das oben noch leicht feucht bleiben darf. Genau dieser Moment ist entscheidend.
Zum Schluss wird der Reis in das Omelett gelegt, das Omelett vorsichtig darübergeklappt und alles auf den Teller gestürzt. Ein wenig Ketchup obendrauf – und fertig ist Omuraisu.
Es muss nicht perfekt aussehen. Entscheidend ist, dass sich beim Anschneiden Omelett und Reis miteinander verbinden. Genau darin liegt der Charme dieses Gerichts.

Was passt gut zu Omuraisu?
Omuraisu ist ein in sich geschlossenes Gericht, sättigend, herzhaft und ausgewogen. Gerade deshalb passen dazu am besten einfache, leichte Beilagen, die den Geschmack ergänzen, ohne ihm die Aufmerksamkeit zu nehmen.
Sehr klassisch ist eine Miso Suppe. Sie bringt Wärme und eine sanfte Umami Note auf den Tisch und rundet das Gericht angenehm ab. Auch eine klare Suppe mit etwas Frühlingszwiebel oder Tofu passt gut dazu.
Für etwas Frische eignet sich ein kleiner Salat, zum Beispiel mit Gurke, Tomate oder fein gehobeltem Weißkohl. Ein leichtes japanisches Dressing auf Sesambasis oder mit Reisessig sorgt für einen schönen Kontrast zum würzigen Ketchup-Reis.
Wenn du Omuraisu als Teil eines größeren Essens servierst, passen auch einfache Beilagen wie eingelegtes Gemüse sehr gut dazu. Tsukemono bringen Frische und leichte Säure auf den Teller und machen das Gericht noch runder.
Am Ende gilt auch hier: Omuraisu ist unkompliziert. Halte die Beilagen einfach, dann bleibt der Fokus auf dem Omelett und dem Reis.
Ich freue mich auf deinen Kommentar: Erzähl mir, wie dir dein Omuraisu gelungen ist und ob du dich für die klassische Variante entschieden hast oder dein Omelett lieber extra weich magst. Viel Freude beim Nachkochen und いただきます, Itadakimasu!

Omuraisu
für 2 Personen | 30 Minuten | 758 kcal
🖨️ PDF drucken 📌 Pin merkenOmuraisu ist japanisches Wohlfühlessen pur: locker gebratener Ketchup-Reis mit Hähnchen und Gemüse, umhüllt von einem zarten Omelett und mit Ketchup vollendet. Dieses klassische Rezept zeigt dir Schritt für Schritt, wie du Omuraisu ganz unkompliziert zu Hause zubereitest – so, wie man es in vielen japanischen Haushalten kennt.
Zutaten (2 Portionen)
Für die Füllung:
300 g Reis (gerne vom Vortag, hier zum Rezept für Reis) (im Shop ansehen)
150 g Hähnchenoberkeule ohne Knochen (alternativ Hähnchenbrust)
½ Zwiebel
60 g Erbsen (TK)
½ rote Paprika
2 Champignons
3 EL Ketchup
1 TL Sojasauce (im Shop ansehen)
2 EL Butter
Salz und Pfeffer
Für das Omelett:
6 Eier (Größe M)
2 EL Butter (je Omelett 1 EL)
Zum Garnieren:
Ketchup
Zubereitung (30 Minuten)

1. Schritt
Zu Beginn bitte die Zutaten für das Omuraisu bereitlegen. Reis kochen und kurz abkühlen lassen. Er soll warm sein, aber nicht nass. Am besten nutzt du Reis vom Vortag.

2. Schritt
60 g Erbsen in kochendem Wasser 1-2 Minuten blanchieren, dann abgießen und bereitstellen.

3. Schritt
½ Zwiebel schälen und ½ rote Paprika waschen und anschließend klein würfeln.

4. Schritt
2 Champignons putzen und klein würfeln. 150 g Hähnchen kurz unter fließendem Wasser abspülen, trocken tupfen und klein würfeln.

5. Schritt
Pfanne auf mittlere Hitze bringen und 2 EL Butter schmelzen. Hähnchen 2-3 Minuten anbraten, bis es leicht gebräunt ist. Zwiebelwürfel dazugeben und 2 Minuten mitbraten. Dann Pilze, Paprika und Erbsen zugeben und kurz mit anbraten.

6. Schritt
Reis einrühren und unter Wenden braten, bis er locker ist.

7. Schritt
1 TL Sojasauce und 3 EL Ketchup hinzufügen. Alles gründlich vermischen, bis der Reis gleichmäßig rötlich glänzt. Zum Schluss mit Salz und Pfeffer abschmecken.

8. Schritt
Reis in zwei kleine Schüsseln füllen und bereitstellen.

9. Schritt
3 Eier verquirlen. Wenn du es besonders fein möchtest, streichst du die Eiermasse einmal durch ein Sieb.

10. Schritt
Eine mittelgroße beschichtete Pfanne auf mittlere bis niedrige Hitze erhitzen und 1 EL Butter darin schmelzen. Eiermasse hineingießen und die Pfanne schwenken, bis ein gleichmäßiges, dünnes Omelett entsteht. Die Eier stocken lassen und sehr flüssige Stellen mit Stäbchen leicht einrühren. Die Oberfläche soll gleichmäßig sein und noch leicht feucht wirken.

11. Schritt
Ein Reisschüsselchen mittig auf das Omelett stülpen. Eine Seite des Omeletts mit Pfannenwender oder Stäbchen über den Reis klappen und das Omuraisu an den Pfannenrand schieben. Dann vorsichtig auf einen Teller stürzen, sodass die Naht unten liegt. Falls nötig, mit Küchenpapier oder Spateln in eine schöne ovale Form bringen.

12. Schritt
Mit den restlichen 3 Eiern und dem zweiten Reisschüsselchen genauso wiederholen.
Mit Ketchup garnieren, zum Beispiel als Klecks oder in Zickzack-Linien, und sofort servieren.

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Hast du das Rezept schon ausprobiert? Lasst es mich in den Kommentaren wissen, ich bin schon ganz gespannt, von euch zu hören.


Hallo, ich hätte mal eine Frage: bei Schritt 7 steht „mit einer Hälfte des Ei befüllen“. Damit ist doch sicher die Eimasse gemeint, oder? Und was ist dann mit der anderen Hälfte dieser Masse, die nie wieder erwähnt wird? ?
Hallo Annika,
vielen Dank für deine Frage. Genau, damit ist die Eimasse gemeint. Da die Anleitung für 2 Portionen ist, einfach für die zweiten Portion diesen Schritt wiederholen mit der anderen Hälfte der Eimasse.
Liebe Grüße
Elisa