Nihonshu – in 7 Punkten zum Sake-Profi

Titelbild_Sake Nihonshu

Nihonshu ist japanisches Nationalgetränk und traditionelles Gewürz in einem. Nicht nur wird es in Restaurants und Lokalen ausgeschenkt, sondern kommt auch als toller Geschmacksträger mit den Kochtopf.

Jede Kneipe und jede Bar in Japan schenkt Nihonshu in unterschiedlicher Auswahl und Vielfalt aus – es gibt spezialisierte Lokale, die viele hochwertige Sorten mit Beratung anbieten. In der Eckkneipe wird dagegen meist nur eine Marke getrunken.

Dir sagt Nihonshu trotz dessen hoher Bedeutung gar nichts? – Das könnte daran liegen, dass außerhalb Japans Nihonshu allgemein als Sake bezeichnet wird. Worin die Unterschiede liegen und was du noch über Nihonshu sowie Sake wissen solltest, lernst du in diesem Beitrag!

Was dich hier erwartet:

Zu feierlichen Anlässen wird gerne ein Fass Nihonshu geöffnet, dazu gibt es die traditionellen Trinkbecher aus Holz.
Zu feierlichen Anlässen wird gerne ein Fass Nihonshu geöffnet, dazu gibt es die traditionellen Trinkbecher aus Holz. Quelle: Nokton

Was ist Sake? Was ist Nihonshu?

Sake (auch Seishu genannt) umfasst im Japanischen die Gesamtheit aller alkoholischer Getränke und wird nur außerhalb des Landes mit Nihonshu, dem eigentlichen japanischen Reiswein, verwechselt.

  • Sake: allgemein alkoholische Getränke
  • Seishu: klares Alkoholgetränk
  • Nihonshu: japanisches Alkoholgetränk

Nihonshu als ein Teil der Kategorie Sake wird aus fermentiertem Reis hergestellt. Genau das unterschiedet ihn wiederum vom oft fälschlicherweise benutzen Wort Reisschnaps: Schnaps wird durch Destillation, Nihonshu durch Fermentation gewonnen.

Das Nationalgetränk Japans ist eine japanische Spezialität und wird zu vielen Anlässen und in den verschiedensten Lokalen genossen – zum Feierabend oder Neujahrstag, von der Kneipe um die Ecke bis zum Nobelrestaurant. So wurde der 1.Oktober in Japan auch zum offiziellen Nihonshu no Hi (Sake-Tag) ernannt! Diese Beliebtheit im eigenen Lande führte in der jüngeren Zeit zur Ausbreitung von Sake – wie es dort bezeichnet wird – in die ganze Welt.

Grundlage von Nihonshu sind Reis (am besten von hoher Qualität), klares Wasser, weißer Koji (einem Starterferment für die Fermentation) und Hefe. In der traditionellen Herstellung ist die Gewinnung ein aufwändiger Prozess, bei dem alle Zutaten präzise vermengt und verarbeitet werden. Doch es ist nur natürlich, dass auch die Produktion von Sake zunehmend mechanisiert und automatisiert wird.

Wie schmeckt Nihonshu (Sake)?

Angeboten wird Nihonshu von einigen großen Marken, aber auch kleineren und regionalen Brauereien – den Jizake – und wird üblicherweise gefiltert, auch wenn es naturtrübe Varianten (Nigorizake) gibt.

Das Ergebnis der Fermentation und Filtration ist ein sehr heller gelber Wein, der einen Alkoholanteil von ungefähr 15 Prozent enthält. Sein mildes Aroma reicht von leichten bis reichen Geschmacksausprägungen und kann kräftige, aber auch fruchtige Noten erreichen. Dadurch passt Nihonshu zu fasst allen Gerichten und unterstreicht durch seine Milde den Eigengeschmack der japanischen Speisen.

Getrunken wird Nihonshu sowohl warm als auch kalt.

Die Auswahl an Nihonshu (japanischem Sake) ist in Japan sehr groß
Die Auswahl an Nihonshu (japanischem Sake) ist in Japan sehr groß. Quelle: atsunori kohsaki

Unterscheidung zwischen Nihonshu und anderen Getränken

Typisch japanisch und ein Muss zu jeder gehobenen Mahlzeit ist zwar Nihonshu (außerhalb Japans auch generell als Sake bezeichnet), trotzdem werden in Japan einige weitere alkoholische Getränke angeboten und gern getrunken. Diese Weine, Brände und auch Würzsoßen können schnell miteinander vertauscht werden. Hier eine Erklärung zu:

Shochu und Awamori – Likör aus destillierten Zutaten

Shochu ist ein Schnaps oder Likör, der aus destillierter Gerste, Süßkartoffel, Kastanien, Reis, braunem Zucker oder ähnlichen gewonnen wird. Er hat einen Alkoholgehalt von 20 bis 40 Prozent und wird in ganz Japan gern getrunken, ist aber besonders in Kyushu beliebt.

In den letzten Jahren fand eine regelrechter Boom um sogenannten Gourmet-Shochu statt: Einige Bars und Izakaya bieten seitdem viele hundert verschiedene Premium-Varianten an, die pur, „on the rocks“ oder verdünnt mit kalten und auch warmen Wasser getrunken werden. Vergleichbar ist dieser Trend mit der Craft Beer-Bewerbung in Deutschland, in der viele kleine Brauereien hochwertiges Bier nach alten Rezepturen brauen und es an ausgewählte Händler (oft in der Region) weitergeben.

Günstigere Varianten von Shochu werden üblicherweise nicht pur getrunken, sondern zu Cocktails vermischt: Zum Beispiel zusammen mit Grapefruitsaft oder Oolong Tee.

Hier ein kleines Shochu-Vokabular:

  • Jijochu: lokale, handwerklich arbeitende Brauereien
  • Imo Shochu: Süßkartoffel-Shochu
  • Kome Shochu: Reis-Shochu
  • Mugi Shochu: Gersten-Shochu
  • Kokuto Shochu: Brauner-Zucker-Shochu (wie Rum)
  • Kuri Shochu: Kastanien-Shochu
Hier wurde Shochu mit einem kleinen Anteil Kaffee vermischt und als Cocktail serviert.
Hier wurde Shochu mit einem kleinen Anteil Kaffee vermischt und als Cocktail serviert. Quelle: y_ogagaga

Awamori ist eine Spezialität aus Okinawa und wird wie Shochu durch Destillation gewonnen, wobei hier langkörniger Thailändischer Reis und schwarzer Koji verwendet wird. Der Alkoholgehalt liegt in der Regel zwischen 30 und 40 Prozent. Gerne wird Awamori zu typischen Speisen und traditionellen Menüs aus Okinawa gereicht: Dazu gehört zum Beispiel Champuru, wo bitteres Goya-Gemüse zusammen mit Tofu, Eiern und Fleisch scharf angebraten wird.

Umeshu – Pflaumenwein

Umeshu wird oft auch als Pflaumenwein bezeichnet, obwohl für die Herstellung grüne Pflaumen (unreife Ume) nicht vergoren, sondern in Shochu oder Nihonshu getränkt werden. Dabei handelt sich um die gleichen Früchte, die auch getrocknet und gesalzen als Umeboshi zum Beispiel als Füllung für Onigiri verwendet werden.

Typischerweise wird Umeshu „on the rocks“ oder mit Soda getrunken: Umeshu sawa (Umeshu sauer). Es gibt hunderte verschiedene Umeshu im Angebot, doch sind die, die von echten Sake-Brauereien angeboten werden, besonders interessant: Dort wird Umeshu in aller Regel mit Premium-Nihonshu angesetzt, was ich diesen ungewöhnlich schmackhaft macht.

Umeshu ist weich, süß, fruchtig und hat ein saft-ähnliches Aroma. Deswegen wird dieser Likör auch gerne von denjenigen getrunken, die sonst eine Abneigung gegen alkoholische Getränke haben.

Eine übliche Tradition ist es, Pflaumenwein zuhause selbst nach Familienrezept anzusetzen. Dieser reift dann mindestens ein Jahr oder länger. Wie hier im Film „Unsere kleine Schwester“, bei dem vom über 50 Jahre alten Pflaumenbaum die unreifen Früchte gepflückt, eingestochen und dann in Alkohol eingelegt werden.

Umeshu zuhause selbst zu machen, ist bis heute eine praktizierte Tradition in Japan.
Umeshu zuhause selbst zu machen, ist bis heute eine praktizierte Tradition in Japan. Quelle: merec0

Yuzushu ist ein weiterer fruchtiger Likör, der Umeshu gleicht, aber aus Yuzu – den aromatischen, japanischen Zitrusfrüchten – hergestellt wird.

Mirin – süße Würzsoße aus fermentiertem Reis

Mirin ist eine süße Würzsoße, die zwar aus fermentiertem Reis gebraut wird und erstmal Nihonshu ist, aber durch einen weiteren Brauprozess, bei dem Shochu zugesetzt wird, vergleichsweise mehr Zucker enthält. Die Soße ist etwas zähflüssiger, hat eine gelbliche Farbe und schmeckt nach japanischem Reiswein, der mit Zucker vermischt wurde. Heute ist Mirin eins der wichtigsten Grundzutaten in der Japanischen Küche.

Die Würzsoße wird in vielen Gerichten verwendet – von Pfannen- bis zu Nabe-Gerichten (Eintöpfe, zum Beispiel Mille-Feuille Nabe). Es harmoniert mit allen denkbaren weiteren Zutaten und ist eine echte Bereicherung für jeden Haushalt! Bei mir hat Mirin immer einen festen Platz im Vorrat.

ABER: Mirin ist nicht trinkbar! In früheren Zeiten galt Mirin zwar als ein liebliches Getränk, das vor allem bei japanischen Frauen Gefallen fand, doch heute ist im Supermarkt verfügbares Mirin ausschließlich zum Kochen geeignet.

Zur Geschichte von Nihonshu

Die Ursprünge von Nihonshu und allgemein den alkoholischen Getränken in Japan sind nicht bekannt. Wahrscheinlich wurde die Technik, aus fermentiertem Reis Alkohol zu gewinnen, aus China eingeführt. Die erste Aufzeichnung von Alkohol in Japan geht auf das Jahr 712 n.Chr. zurück, in dem in einem Geschichtsbuch (Kojiki ) festgehalten wurde, dass in Japan die Menschen tranken und tanzten. Auch wurde alkoholische Getränke in diesem Bezug genannt.

Der historischen Nennung des unverzichtbaren Schimmelpilzes Koji in den Jahren der Nara-Periode (710 bis 794) folgte die Feststellung, dass „Sake“ während der Heian-Periode (794 bis 1185) für religiöse Zwecke, Festlichkeiten und Trinkspielen verwendet wurde. Ab dem 10. Jahrhundert lag die Sake-Produktion in staatlicher Hand, wobei das Getränk in Tempeln und Schreinen hergestellt wurde.

Im 16. Jahrhundert wurde eine Technik der Destillation in der Region um Kyushu eingeführt und das Brennen von Shochu begann. Verkauft wurde dieses neue alkoholische Getränk zu Beginn in Kyoto und breitete sich von dort in Japan aus.

Boom und Einbruch

Während der Meiji-Restauration wurde die Staatliche Produktion in private Hände gegeben. Jeder, der die finanziellen Mittel und das Fachwissen hatte, durfte seine eigene Brauerei – auch Kuramoto genannt – für Nihonshu eröffnen. Doch durch die erhobenen Steuern auf Alkohol wurde aus dem anfänglichen Boom (rund 30.000 Brauereien eröffneten) sank die Zahl an Betrieben schon bald auf 8.000 Brauereien.

Ursprünglich wurde Nihonshu in Holzfässern produziert, gelagert und transportiert.
Ursprünglich wurde Nihonshu in Holzfässern produziert, gelagert und transportiert. Quelle: coniferconifer

Mit weiteren politischen Einschränkungen durch verschiedene Besteuerungen wurde zudem nach und nach die Produktion in den traditionellen Holzfässern (Taru) eingestellt und im 20. Jahrhundert der großindustriellen Herstellung die Pforten geöffnet. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielten weitere alkoholische Getränke Einzug in Japan – wie Bier, Wein und Likör – und erfreuten sich großer Beliebtheit.

Um Nihonshu wettbewerbsfähig zu halten, wurde (auch mittels Mechanisierung und Automatisierung) die Qualität des Getränks stets weiter verbessert. Trotzdem verzeichnen die Hersteller in Japan bis heute jedes Jahr sinkende Absatzzahlen, auch wenn die Zahl im Ausland immer weiter steigt.

Wie das Getränk zum wesentlich Gewürz in der japanischen Küche wurde

In Japan wissen die Menschen die Vorzüge von Sake seit vielen Jahren zu schätzen – nicht nur als Quelle der Entspannung und des Vergnügens, sondern auch seine Vorteile in der Küche! Obwohl die oben beschriebene Erhebung von Steuern viele Nachteile mit sich gebracht hat, so ist sie doch der wesentliche Grund dafür, dass heute „Kochsake“ für die Zubereitung von Mahlzeiten verwendet wird.

Im Zuge der Edo-Ära (1603 bis 1868) wurden die Grundsätze der japanischen Küche auf den Kopf gestellt. Mit der Einführung von Sojasoße, Mirin und Miso-Paste veränderte sich der Geschmack japansicher Speisen grundlegend. Doch erst in der Meiji-Zeit kam Nihonshu als Zutat in der Küche hinzu: Mit der steigenden Zahl an Steuergesetzen wurden genauso viele Vermeidungsstrategien entwickelt – so auch bei Sake. Um weniger Steuerabgaben zu zahlen, wurden in Kochsake zusätzliche Zutaten hinzugefügt, wie Salz oder Essig, und dieser somit einer anderen Produktgruppe zuordnet. – Und die Idee setzte sich durch!

Heute ist Kochsake nicht mehr aus der japanischen Küche wegzudenken und eins der wichtigsten Grundwürzen.

Dabei ist Kochsake von Mirin zu unterscheiden: Mirin ist eine süßes Reisweinwürze, Kochsake ist salzig!

Nihonshu (auch Sake) in der Küche verwenden

Exkurs: Mit Kochsake kochen

Über den süßen Geschmack und die milden Aromen von Nihonshu hinweg ist Kochsake salziger und besitzt eine leichte Essignote.

Durch den geringen Alkoholanteil von 13 Prozent, der beim erhitzen schnell verfliegt, sind Gerichte mit Kochsake auch für Kinder geeignet.

Beim Kochen mit Kochsake solltest du beachten, dass diese Würze starke Umami-Aromen (Fünfte Geschmacksrichtung: Herzhaftigkeit) mit ins Gericht bringt. Mit der Dosierung sollte vorsichtig umgegangen werden: Grundsätzlich wirkt Kochsake so, dass dieser Fleisch und Fisch zart (weicher) macht. Daher empfehle ich, es immer mit in entsprechende Marinaden einzuarbeiten. Weiterhin verbessert Kochsake alle vorhandenen Aromen und die Textur der Gerichte – auch in Suppe und Eintöpfen. Beachte bei der Verwendung von Kochsake darüber hinaus, dass du diesen für ein optimales Ergebnis frühzeitig im Kochprozess einarbeitest.

Kann ich Kochsake trinken?

Sake ist zum Trinken, Kochsake ist zum Kochen. Zwar ist Kochsake beim Trinken nicht giftig, aber Genuss wird dich nicht erwartet: Kochsake ist salzig und schmeckt nach Essig. Falls du nicht wiederstehen kannst, stelle sicher, dass du danach viel Wasser trinkst!

Mit Nihonshu und Kochsake kochen

Nihonshu ist nicht nur als Getränk köstlich, sondern kann auch als Gewürz das gewisse Etwas in deine Küche bringen. Gerade in der Japanischen Küche ist Sake (besser Nihonshu) neben Sojasoße, Mirin und Dashi eine der 4 elementaren Gewürze der japanischen Küche. Es wird in Soßen, Suppen und Eintöpfe als Standard verwendet.

Weitere Möglichkeiten in der Verwendung von Nihonshu und Kochsake sind:

  • Reiskochen: Ob im Topf oder im Reiskocher – gebe dem Kochwasser etwas Sake hinzu und der fertige Reis wird viel intensiver schmecken.
  • Kochen und Köcheln: Gemüse in Wasser mit einem Schuss Kochsake zu garen, ist eine tolle Alternative für eine zu hohe Salzverwendung beim Kochen.
  • Braten: Wenn du ganz wenig Sake aufs Brat- oder Grillgut (zum Beispiel Fleisch) gibst oder in Frikadellen einarbeitetst, wird dieses viel zarter.
  • Frittieren: Ein bisschen Sake in die Panade zu geben, wird das Ergebnis um ein vielfaches verbessern.
  • Backen: Sobald du etwas Sake mit in Brotteig einknetest, wird es viel geschmeidiger.

Alternativen zu Nihonshu und Kochsake in der Küche

Das Rezept verlangt nach Sake? Du hast keinen Sake im Haus und auch nicht vor, welchen zu besorgen? – Das ist kein Problem: Du kannst Sake zum Beispiel durch Mirin oder trockenen Weißwein und im Falle von Kochsake mit etwas zusätzlichem Salz ersetzen.

Rezepte mit Nihonshu (auch Sake)

Viele leckere Rezeptideen mit Sake findest du in der folgenden Übersicht:

Oyakodon Titelbild
Schnelles Oyakodon nach Katsu-Art
Titelbild_Mille-Feuille Nabe
Heißer Kohl-Eintopf: Mille-Feuille Nabe [Hot Pot]
Titelbild_Vegetarische Shoyu Ramen
Vegetarische Shoyu Ramen [Your Name (Kimi no Na wa)]
Titelbild_Gyoza mit Knoblauch
Hausgemachte Gyoza mit Knoblauch und Dip

Nihonshu – die Sorten und ihre Besonderheiten

In den vergangenen Jahren sind immer mehr Sorten und Varianten von Nihonshu auf den Markt gekommen. Dabei gewinnen besonders Premium-Ausführungen im Gegensatz zu „Billig-Sake“ immer mehr an Beliebtheit. Premium-Sake unterscheidet sich im Speziellen in der Qualität der Zutaten und der Art des Prozessen, zum Beispiel wird handwerklich gebrauter Nihonshu bevorzugt. Im Folgenden stelle ich dir zwei Qualitätsmerkmale vor, die bei der Auswahl eine Rolle spielen:

Grad des Reis-Polierens

Der Reis wird der Verwendung im Brauprozess poliert, weil die Körnerschalen unangenehme Aromen in das spätere Getränk abgeben. Allgemein gesprochen gilt: Umso mehr der Reis poliert wurde, desto besser schmeckt das Endprodukt und desto höher sind auch die Preise. Für Premium-Nihonshu müssen mindesten 30 Prozent des Reis wegpoliert worden sein, für High-End-Nihonshu liegt der Grad noch höher. Unterschieden wird in:

  • Ginjo: mindestens 40 Prozent des Korn wurden wegpoliert
  • Daiginjo: mindestens 50 Prozent des Korn wurden wegpoliert

Nihonshu mit einem dieser Qualitätsstufen wird nachgesagt, dass dieser besonders reiche Aromen besitzt und äußerst geschmacksintensiv ist. Daher werden diese als Aperitif angeboten und genossen.

Zusetzen von Alkohol

Die Alkoholerzeugung während des Brauverfahrens von Nihonshu dauert sehr lange und ist daher mit hohen Kosten verbunden. Um die Produktionskosten zu senken, wird bei vielen Erzeugern destillierter Alkohol zum „halbfertigen“ Getränk hinzugefügt und vollendet. Bei Premium-Varianten wird selbstredend kein oder nur extrem wenig (für umfänglichere Aromen) Alkohol zugefügt, sondern der Fermentationsprozess abgewartet. Unterschieden wird im Premium-Segment in:

  • Junmai: kein Alkohol wird zugesetzt
  • Honjozo: ein kleiner Anteil an Alkohol wird zugesetzt

Es ist möglich, die vorgestellten Bezeichnungen Ginjo, Daiginjo, Junmai und Honjozo miteinander zu kombinieren, um eine präzise Sortenbeschreibung zu verfassen. So ist ein „Junmai Ginjo-Shu“, eine Variante ohne zusätzlichen Alkohol und wurde aus Reiskörner, die zu 40 Prozent poliert wurde, hergestellt.

Reisetipp: Einige spezialisierte Restaurants und Lokale in Japan bieten ausgewiesene Tages-, Wochen oder Monatsmenüs an. Das solltest du wahrnehmen, da die Chance, einen Schluck aus einer frisch geöffneten Flasche zu erhalten, viel höher ist und vor allem unpasteurisierte Sorten (wegen der kürzeren Haltbarkeit, dazu siehe weiter unten) angeboten werden.

In spezialisierten Lokalen gibt es neben der großen Auswahl auch eine gute Beratung.
In spezialisierten Lokalen gibt es neben der großen Auswahl auch eine gute Beratung. Quelle:

Spezielle Sorten

Durch das Weglassen oder Hinzufügen einzelner Produktionsschritte werden spezielle Sorten hergestellt, die allerdings nicht als Nihonshu, sondern als Sake bezeichnet werden. Sie gehören nicht dem traditionellen Japanischen Reiswein an. Stattdessen werden sie der allgemeinen Kategorie alkoholische Getränke (Sake) zugeordnet. Dazu gehören unter anderem:

  • Namazake: Ein frisch schmeckender, unpasteurisierter Sake, der kühl aufbewahrt und schnell verzehrt werden muss.
  • Nigorizake: Ein süß bis herb schmeckender, ungefilterter Sake mit Fermentationsresten (Schwebstoffen).
  • Sparkling Sake: Sake mit Kohlensäureblasen, der vor dem Ende der Fermentation in Flaschen abgefüllt wird.
  • Koshu: Gereifter Sake, der in Flaschen oder Fässern gelagert wurde und erdige bis holzige Aromen annehmen kann.

Sake-Etikette – Nihonshu richtig trinken

Nihonshu und Sake im Allgemeinen wirst du in Japan in fast allen Lokalen finden, die Alkohol ausschenken, im Speziellen sind das Izakaya und Bars. Es gibt auch Sake Bars mit vielen regionalen Spezialitäten. Was dich dort erwartet, folgt nun.

Der Geschmack von Nihonshu wird wie bei Wein in süß (Amakuchi) und trocken (Karakuchi) unterschieden. Der Grad der Süße wird in Form des Nihonshudo, einer Skala von -15 (sehr süß) bis +15 (sehr trocken), angegeben.

Du mochtest in Japan etwas ohne Alkohol bestellen? – Das Wort Kasu bedeutet alkoholfrei.

Nihonshu servieren – das passende Sake-Geschirr (Becher, Schalen, Flaschen)

Serviert werden die Getränke in der traditionellen Größe Go (oder Gou), welche 180 Milliliter umfasst: Ichigo bedeutet ein Go (180 Milliliter), Nigo beutetet zwei Go (360 Milliliter). Daneben ist Nihonshu auch in kleinen (300 Milliliter) und großen (720 Milliliter) Flaschen verfügbar.

Üblicherweise wird Nihonshu und andere Sake in kleinen Sake-Bechern, Gläsern oder in Holzkistchen eingelassenen Gläsern serviert:

  • Masu: Ein kleine Holzkiste mit Volumina bis zu 180 Millilitern, in der eigentlich Reis und andere Lebensmittel abgemessen wurden. Heute wird sie gerne als Gefäß zum Trinken verwendet.
  • Ochoko: Moderne, kleine, zylindrische (oder anders geformte) Trinkgefäße aus Keramik.
  • Sakazuki: Zeremonielle Becher, die gerne zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten benutzt werden.

Die Trinkbecher sind Teil des Shuki, dem Sake-Set. Diese Sets sind zumeist aus Keramik, Holz, lackiertem Holz, Glas oder auch Plastik gefertigt. Dazu gehört neben den Bechern weiterhin ein Tokkuri (eine Sakeflasche), die zum Ausschenken verwendet wird. Diese nehmen die unterschiedlichsten Formen an, aber meistens besitzen sie einen bauchigen Mittelteil und einen schmale Hals. Diese Form lässt beim Erwärmen von Sake eine optimale Hitzezufuhr durch ein heißes Wasserbad zu, wobei die Wärme durch den engen Hals in der Flasche gehalten wird.

Hier ein Shuki (Sake-Set) mit einem Tokkuri (Flasche) und zwei Ochoko (Bechern).
Hier ein Shuki (Sake-Set) mit einem Tokkuri (Flasche) und zwei Ochoko (Bechern). Quelle: Japanexperterna

Die Sake-Flasche, in denen das Getränk im Supermarkt-Regal steht, wird nur für den Transport beziehungsweise die Lagerung verwendet und wird nicht auf den Tisch gestellt.

Andere Formen sind Katakuchi oder Chirori (auch Tanpo genannt), die oftmals Ryotei (traditionelle, gehobene japanische Restaurants) verwendet werden.

Auch andere Flaschenformen wie Katakuchi sind beliebt.
Auch andere Flaschenformen wie Katakuchi sind beliebt. Quelle: Wally Gobetz

In Gesellschaft trinken

Die einzige und wichtigste Regel beim Sake trinken in Gesellschaft ist: Schenke dir nicht selbst ein oder nach!

Zu Beginn füllt der Gastgeber jedem Gast das Getränk in dessen Becher. Dabei ist zu beachten, dass es beim Einschenken Sitte ist, als Gast den Becher mit beiden Händen etwas anzuheben. Anschließend wird dem Gastgeber durch einen Gast eingeschenkt. Zusammen werden die Gläser gehoben und getrunken, dazu ist der gebräuchliche Toast „Kanpai“.

Nihonshu und Sake wird gerne unter Freunden und Kollegen getrunken – die Etikette ist trotzdem stets einzuhalten.
Nihonshu und Sake wird gerne unter Freunden und Kollegen getrunken – die Etikette ist trotzdem stets einzuhalten. Quelle: Yuki Yaginuma

Im weiteren Verlauf ist es wichtig, regelmäßig (auch wenn du nicht Gastgeber bist) das Glas deiner Gegenüber und Nachbarn zu überprüfen und ihnen – bevor sie auf dem Trockenen sitzen – nachzuschenken. Schenke niemals dir selbst nach, sondern überlasse dies wiederum deinem Gegenüber oder Nachbarn.

Nihonshu kalt und warm trinken

Beim Trinken von Nihonshu ist weiterhin die Temperatur des servierten Getränks entscheidend. Diese hängt von der Sorte, der Saison und dem individuellen Geschmack des Gastes ab. Generell kannst du Premium-Nihonshu gekühlt (Reishu) oder bei Zimmertemperatur genießen. Günstigere Varianten von geringerer Qualität werden gerne heiß (Atsukan) getrunken, dann vor allem im Winter. Die durchschnittliche Temperatur von warmen Sake liegt zwischen 42 und 45 Grad.

Typische Wärmeabstufungen sind:

  • Hinatakan „sonnengebadet“ – 30 °C
  • Hitohadakan „warm wie Körpertemperatur“ – 35 °C
  • Nurukan „lauwarm“ – 40 °C
  • Jokan „warm“ – 45 °C
  • Atsukan „heiß“ – 50 °C

Warmer Sake passt sehr gut zu Gerichten aus der Kalten Küche – zum Beispiel zu Sushi. Heißer Sake ergänzt warme Speisen sehr gut – zum Beispiel Nabe-Gerichte.

Nihonshu (bzw. Sake) auf dem Herd erwärmen

Ob auf dem Herd oder in der Mikrowelle: Alle Methoden, um Nihonshu ideal zu erwärmen wurden hier ausführlich beschrieben.

Link zum Basiszutaten Kochset

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